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 VIA Kath. Verband für

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FSJ: Jetzt schon für die Zukunft lernen

Mit freiwilligem Einsatz überbrückt Jana Wittrock ein Jahr Wartezeit


FSJlerin Jana Wittrock reicht einer Dame Essen. Für Jana Wittrock stand schon früh fest, dass sie einen Beruf in der Altenpflege ergreifen möchte. In den Weihnachtsferien absolvierte die Hauptschülerin aus Altenhof ein Praktikum im Caritas-Zentrum Wenden und ihr Berufswunsch wurde verstärkt. Da sie jedoch nach Abschluss der Fachoberschulreife mit 16 Jahren noch zu jung für eine Ausbildung zur Altenpflegerin war – hier ist ein Mindestalter von 17 Jahren wünschenswert – erkundigte sie sich, wie sie das Jahr sinnvoll überbrücken könnte.
 

Lösung gefunden
 

In Gesprächen mit der verantwortlichen Pflegedienstleiterin im vollstationären Bereich des Caritas-Zentrums Wenden, Heike Achenbach, wurde sie auf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) aufmerksam gemacht. Das von der Kirche im Jahr 1960 eingeführte caritative Projekt hat das Ziel, soziale Kompetenz, Persönlichkeitsbildung sowie die Bildungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Freiwilligen zu fördern. Sie sollen mit ihrem Einsatz, der mit einem Taschengeld und einem Zuschuss zu Verpflegung und Unterkunft honoriert wird, den Dienst des Personals in den Einsatzstellen unterstützen, ohne allerdings einen regulären Arbeitsplatz zu besetzen. Während des Jahres nehmen die FSJ’ler außerdem an mehreren Bildungsseminaren teil. Jana Wittrock gefiel besonders die Möglichkeit, sich im Rahmen des FSJ auf ihren Traumberuf vorbereiten zu können. Sie fand bei IN VIA in Olpe den geeigneten Träger und ist seit 1. August FSJ’lerin im vollstationären Bereich des Caritas-Zentrums Wenden. Dort wird sie vom Pflegepersonal mit unterstützenden Tätigkeiten betraut. Sie assistiert bei der Pflege, übernimmt leichte hauswirtschaftliche Tätigkeiten, hilft bei der Nahrungszubereitung und bringt sich in der Beschäftigungstherapie ein. Dass sie den Fachkräften bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann, sagt Jana Wittrock besonders zu: „So kann ich jetzt schon für die Zukunft lernen.“ Die 16- Jährige scheut sich nicht vor der anspruchsvollen Arbeit im St.-Josefsheim. Im Gegenteil: „Ich bin gern mit Menschen zusammen und freue mich darauf, mit ihnen zu reden und ihnen helfen zu können.“
 

Beidseitige Freude
 

Im Gegenzug freute sich auch das Leitungsteam des Caritas- Zentrums Wenden über die neue und erste FSJ’lerin. Denn der Wegfall der Zivildienstleistenden ist in den Wohnbereichen spürbar. Die Kompensation über den Bundesfreiwilligendienst, der seit 1. Juli den Zivildienst ersetzt, hat bislang bei jungen Menschen kaum Interesse geweckt. Gleichfalls verschließt man nicht die Augen bezüglich des bestehenden Fachkräftemangels im Pflegebereich. Schon heute fehlen nach Bekanntgabe des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste in Berlin (bpa) in Deutschland etwa 30000 ausgebildete Kräfte. Laut Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)der OECDStudie kommen auf 100 über 80-jährige pflegebedürftige Menschen nur etwa elf Vollzeit- Fachpflegekräfte. Der Mangel droht sich zu vervielfachen. Bis 2020 werden nach der bpa-Aussage aufgrund der demografischen Entwicklung etwa 220.000 Pflegekräfte zusätzlich gebraucht. Schon lange fordern deshalb Verbände, Institutionen und Einrichtungen die Bundesregierung auf, neue Anreize für den Pflegeberuf zu schaffen, Pflegekräfte besser auszubilden, die Zuwanderung qualifizierter Kräfte zu fördern und über eine Pflegereform eine Entlastung herbeizuführen. Im Caritas-Zentrum Wenden konnte bisher die geforderte Fachkräftequote von über 50 Prozent gut gehalten werden.

Dass es aber enger geworden ist, bestätigt Heike Achenbach. „Wir würden uns freuen, wenn wir über das FSJ und den Bundesfreiwilligendienst weitere junge Menschen gewinnen können. Sie sind unser Nachwuchs.“ Die Pflegedienstleiterin freut sich, dass sie und ihre Kollegen Jana Wittrock in ihrem freiwilligen sozialen Jahr an die schönen Dinge, die der schwierige Beruf trotz der oft ungünstigen Arbeitszeiten und der schweren Arbeit mit sich bringt, heranführen können. „Der Altenpflegerberuf ist ein Beruf, den man mit Begeisterung lernen und leben kann. Man tritt in Beziehung zu anderen Menschen, kann sie nahe begleiten und sich mit ihnen identifizieren. Was man einbringt an eigener Freude, bekommt man auch zurück und daraus kann man viel Kraft ziehen.“ Diese Erfahrung hat Jana Wittrock bereits in den ersten Tagen gemacht: „Wenn ich den Bewohnern etwas bringe, oder mit ihnen rede, freuen sie sich. Wenn sie lächeln, gibt mir das sehr viel.“

 

Westfalenpost vom 16. August 2011



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